
Dass Lüften wichtig ist, weiß im Prinzip jeder. In einem durchschnittlichen 4-Personen-Haushalt werden rund 10 bis 15 Liter Wasser pro Tag an die Raumluft abgegeben. Diese zusätzliche Feuchtigkeit muss durch Lüften wieder abtransportiert werden. Passiert das nicht, führt das oft zu Schimmel und damit verbundenen Schäden an den Wänden. Zudem muss die verbrauchte Luft wieder durch frische Atemluft ersetzt werden. Falsches oder fehlendes Lüften kann sogar zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Und, was oft nicht klar ist: Die Anforderungen der Gebäude an die Lüftung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Vor allem zeigt sich das in den Bauvorschriften bei Renovierung, Sanierung oder Neubau eines Hauses.
Neu gebaute Wohnobjekte werden nach hohen Energiestandards gebaut. Demnach lassen Mauerwerk und Fenster nahezu keine Wärme nach draußen. Das schont zwar Ressourcen und spart Heizkosten, bedeutet aber auch, dass kein natürlicher Luftaustausch stattfinden kann. Umso wichtiger ist ein regelmäßiger Luftaustausch, der eigentlich nur noch durch eine mechanische bzw. kontrollierte Be- und Entlüftung angemessen realisiert werden kann. Alleine durch Fensterlüftung kann der benötige Luftaustausch, vor allem in Schlafzimmern und Feuchträumen wie Bädern und Küchen, nur mit hohem zeitlichem Aufwand gewährleistet werden. Dazu muss je nach Jahreszeit bis zu viermal am Tag manuell gelüftet werden.


Die richtige Lüftung ist auch für den Gesetzgeber seit Längerem ein wichtiges Thema. Im Dezember 2019 wurde die aktualisierte Lüftungsnorm DIN 1946-6 herausgegeben. Die Lüftungsnorm soll durch die Festlegung von Planungs- und Auslegungskriterien gewährleisten, dass Wohnräumen ein ausreichender Außenluftvolumenstrom zugeführt wird, da die Bewohner bei planmäßiger Belegung aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen einen bestimmten Luftbedarf haben. Bei der heute mittlerweile üblichen energiesparenden Bauweise sind Gebäudehüllen so dicht, dass der Luftaustausch beim normalen Lüften nicht ausreichend ist.
Für Gebäude, die neu errichtet oder durch lüftungstechnisch relevante Änderungen modernisiert werden (Austausch von Fenster oder Dach bzw. Isolierung von 1/3 der Fenster oder mehr als 1/3 des Dachs), muss für jede Nutzungseinheit ein Lüftungskonzept erstellt werden.

